Jahrhundertfund
„Als mir im Sommer 2008 einige stark verrostete Metallobjekte aus einem Waldstück am Harzhorn zur Begutachtung vorgelegt wurden, wurde schnell klar, dass wir es hier mit einem extrem außergewöhnlichen Fund zu tun hatten, denn die Fundstücke waren eindeutig römischer Herkunft!“, erklärt Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne. Sofortige Nachforschungen am Fundort nahe Kalefeld-Wiershausen brachten die Gewissheit, den Schauplatz einer Schlacht zwischen Römern und Germanen entdeckt zu haben.
Unter größter Geheimhaltung folgte eine monatelange systematische Sondierung und detaillierte Dokumentation des weitläufigen Harzhorn-Areals. In enger Zusammenarbeit zwischen der Northeimer Kreisarchäologie, dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) und erfahrenen Sondengängern, Mitglieder der Interessengemeinschaft Ostfalensucher, galt es ganz besonders, möglichen Plünderungen des Fundortes durch dreiste Raubgräber zuvorzukommen.
Mehr als 1800 Fundstücke – oft in erstaunlich gut erhaltenem Zustand – konnten seitdem durch den Einsatz von Metallsuchgeräten und archäologische Ausgrabungen sichergestellt und in Einzelstücken aufwändig restauriert werden: Eiserne Speerspitzen, Katapultgeschossbolzen, „Hipposandalen“ – ein Hufschutz für die mitgeführten Maultiere, Ochsen und Pferde – Schuhnägel und anderes mehr. Dass überhaupt solch eine Vielzahl von Artefakten gefunden werden konnte, ist auf den Umstand zurückzuführen, dass – anders als bei großen Gefechten der Antike üblich – das Schlachtfeld nach Beendigung der Kampfhandlungen offenbar nicht gründlich geräumt wurde. Zudem wurde das Gelände nie landwirtschaftlich bewirtschaftet, so dass Waffenteile und Ausrüstungsgegenstände über die Jahrhunderte unangetastet im Waldboden verblieben.
Erste Hinweise zu einer Datierung des Gefechts lieferten den Experten eine stark abgegriffene Münze des Kaisers Commodus, der von 180 bis 192 n. Chr. regierte, sowie der Beschlag eines Messerfutterals, das nicht vor dem ausgehenden 2. Jahrhundert nach Christus entstanden sein kann. Noch genauer konnte die zeitliche Festlegung durch neuere Münzfunde erfolgen: 9 Silberdenare der Kaiser Caracalla, Elagabal und Severus Alexander aus der Zeit von 211 bis 235 n. Chr. sprechen dafür, dass die Schlacht am Harzhorn im zweiten Drittel des dritten nachchristlichen Jahrhunderts stattgefunden hat. Wissenschaftliche C14-Analysen von Holzresten in den Tüllen der Waffen bestätigten diese Einordnung.
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Gästeführungen
Ein anschauliches Bild von den Ereignissen des kriegerischen Aufeinandertreffens der römischen und germanischen Kampfverbände um 235 n. Chr. vermitteln seit Mai 2010 regelmäßige Gästeführungen am Originalschauplatz. » mehr
Video
Das Harzhorn
Das sogenannte "Harzhorn" ist der östliche Teil des Vogelberges, einem in Ost-West-Richtung verlaufenden Höhenzug zwischen Bad Gandersheim und Kalefeld. Geografisch weitläufiger eingeordnet gehört dieser Höhenzug zu einer Anhäufung von kleineren Erhebungen am westlichen Rand des Harzes. » mehr
Zitiert
Was sagen Experten und andere Projektbeteiligte zur Bedeutung des Harzhorn-Schlachtfelds? Hier gibt es die Einschätzungen. » mehr
