Neues Gefechtsfeld liefert sensationelle Funde

Northeim (lpd). Im Rahmen einer Pressekonferenz beim Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover wurden jetzt die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Funde vom römisch-germanischen Schlachtfeld am Harzhorn vorgestellt.

Bereits Ende 2010 war es den beiden Grabungstechnikern, Thorsten Schwarz und Michael Brangs, im Rahmen der andauernden Geländeprospektionen gelungen, ein völlig neues Gefechtsfeld zu entdecken und einzugrenzen.

„Auf der Suche nach Antworten auf die Frage woher die Römer kamen und auf welchen Routen sie weiter marschierten, haben wir fortlaufend auch Prospektionen im Umfeld des Harzhorns vorgenommen, wobei dann schließlich das neue Gefechtsfeld entdeckt wurde", so Kreisarchäologin Dr. Petra Lönne.

In der Folge förderte ein Jahr ungestörte Prospektion des neuen Areals Spektakuläres zu Tage. Zahlreiche einmalige Fundstücke, darunter unter anderem Münzen, eine schwere Axt, zwei schwere Wurflanzen -sog. Pila- sowie ein Amboss, Helmfragmente und Lanzenspitzen kamen zum Vorschein.

Aus der Art der Waffenfunde und deren Beschädigungen lässt sich folgern, dass hier, im Gegensatz zu den Fundplätzen auf dem Höhenrücken des Harzhorns, erbitterte Kämpfe von Mann zu Mann stattgefunden haben müssen.

Absolutes Highlight der Funde ist aber eine so genannte Dolabra, eine römische Pionieraxt aus Eisen, die neben ihrer erstaunlichen Unversehrtheit, als Überraschung im Zuge der Restaurierung noch eine lesbare Inschrift parat hielt.

Etwa drei Monate hat es nach den Worten von Prof. Moosbauer von der Universität Osnabrück gedauert, bis die Inschrift gedeutete war. Damit ist jetzt klar, dass die Dolabra einst zur vierten Legion gehörte, die zur damaligen Zeit in Singidunum, dem heutigen Belgrad, stationiert war und an dem Germanenfeldzug des römischen Kaisers Maximinus Thrax im Jahre 235 n. Chr. beteiligt war. Es dürfte sich damit um ein sehr großes Heer, möglicherweise mehrere zehntausend Mann, gehandelt haben, welches sich einst im Bereich des Harzhorns offenbar erbitterte Kämpfe mit den Germanen lieferte.

„Nicht zuletzt angesichts der sensationellen Neufunde müssen wir gemeinsam auch die touristische Inwertsetzung des antiken Schlachtfeldes vorantreiben", so Landrat Michael Wickmann, mit Blick auch auf die im Jahr 2013 geplante niedersächsische Ausstellung im Landesmuseum Braunschweig. „Frau Dr. Heike Pöppelmann, der Direktorin des Landesmuseums, gebührt für Ihre konstruktive Zusammenarbeit, ihre Ideen und Visionen ein besondere Dank", so Landrat Wickmann weiter, der zugleich gespannt auf die Vorstellung des beauftragten Konzepts zur touristischen und wirtschaftlichen Entwicklung des Harzhornfundplatzes im Frühjahr/Sommer 2012 wartet.

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Weitere Informationen finden Sie auch unter:

Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege - Archäologieportal

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Ein anschauliches Bild von den Ereignissen des kriegerischen Aufeinander­treffens der römischen und germanischen Kampfverbände um 235 n. Chr. vermitteln seit Mai 2010 regelmäßige Gästeführungen am Originalschauplatz. » mehr

Das Harzhorn

Das sogenannte "Harzhorn" ist der östliche Teil des Vogelberges, einem in Ost-West-Richtung verlaufenden Höhenzug zwischen Bad Gandersheim und Kalefeld. Geografisch weitläufiger eingeordnet gehört dieser Höhenzug zu einer Anhäufung von kleineren Erhebungen am westlichen Rand des Harzes. » mehr

Zitiert

Was sagen Experten und andere Projektbeteiligte zur Bedeutung des Harzhorn-Schlachtfelds? Hier gibt es die Einschätzungen. » mehr