Roms vergessener Feldzug

Es muss eine erbitterte Schlacht gewesen sein, die um 230 nach Christus herum den Höhenzug am Harzhorn plötzlich aus friedlicher Idylle herausriss und die bewaldeten Hänge mit dem wilden Kampfgeschrei römischer und germanischer Krieger erfüllte. Todbringend schnellten Speere, Pfeilsalven und Präzisionsgeschosse aus Torsionsgeschützen durch die Luft, als die Germanenkrieger versuchten, der römischen Einheit, die sich vermutlich auf dem Rückmarsch aus dem Norden befand, den Weg zu verstellen.

Hier, wo jeder, der das Harzvorland in Nord-Süd-Richtung passieren wollte, gezwungen war, den als natürliche Barriere kilometerlang auf den Harz zulaufenden Höhenzug über einen engen Passbereich zu durchqueren, war für die Germanen der optimale Ort für ein Gefecht. Vermutlich hatten sie eben jenen Pass blockiert und so die wohl weit mehr als 10.000 römi­schen Legionäre gezwungen, mit ihrem Tross samt Zugtieren und schwerem Kriegsgerät einen Weg entlang der höhergelegenen, zum Teil steil abfallenden Hänge zu suchen. An der östlichen Spitze des Höhenzuges kam es dann zum großen Gefecht: germanische Kriegerhorden auf der einen Seite, ihnen gegenüber militärisch geschulte römische Legionäre und fremdländische Söldner: Fußsoldaten, Bogenschützen und Kavallerie mit schweren Katapultgeschützen. Unklar ist, wer nach erbitterten Kämpfen schließlich Sieger war. Vermutlich jedoch konnten sich die Römer aufgrund ihrer überlegenen Militärtechnik einen Weg freikämpfen und in das nahe Leinetal ausweichen.

Zerborstene Wagen, hunderte aus dem Boden ragende Pfeilschäfte, verlorene Ausrüstungsgegenstände und Kampfwerkzeuge müssen über viele Jahre sichtbare, aber unangetastete Zeugen der blutigen Kämpfe geblieben sein, bevor sie schließlich der Wald bedeckte – und damit für fast 1.800 Jahre ein antikes Schlachtfeld in Vergessenheit geraten ließ, dessen überraschende Wiederentdeckung im Jahr 2008 international als archäologische Sensation und „Jahrhunderfund“ gefeiert wird.

Denn bis dahin galt lange Zeit als geschichtlich gesichert, dass Rom mit der verheerenden Niederlage in der Varus­schlacht im Jahre 9 nach Christus und den Feldzügen des Germanicus (bis 16 n. Chr.) seine Versuche endgültig beendet hatte, den germanischen Raum bis zur Elbe in das Imperium einzubeziehen. Nun aber belegten die neuen Funde plötzlich eine umfang­reiche römische Militärpräsenz im Norden auch noch 200 Jahre nach der Varus-Schlacht!

Foto: W. Pollak, steindesign.

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Infogebäude

Neue Öffnungszeiten in der Wintersaison: Sonntags 13 bis 16 Uhr und zu den Führungen » mehr

Das Harzhorn

Das sogenannte "Harzhorn" ist der östliche Teil des Vogelberges, einem in Ost-West-Richtung verlaufenden Höhenzug zwischen Bad Gandersheim und Kalefeld. Geografisch weitläufiger eingeordnet gehört dieser Höhenzug zu einer Anhäufung von kleineren Erhebungen am westlichen Rand des Harzes. » mehr

Anreise

Wie Sie das Harzhorn erreichen können, erläutern wir hier. » mehr

Gästeführungen

Ein anschauliches Bild von den Ereignissen des kriegerischen Aufeinander­treffens der römischen und germanischen Kampfverbände um 235 n. Chr. vermitteln seit Mai 2010 regelmäßige Gästeführungen am Originalschauplatz. » mehr

English Information

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Zitiert

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